Sie sind hier: 2010
Weiter zu: Archiv
Allgemein:
Links
Impressum
Sidemap
Kontakt
Die Bewohner des im westlichen Senegal gelegenen Dorfs Ndoffane sind traditionell Viehzüchter. Der Anbau von Hirse und ein wenig Gemüse geschieht ausschließlich zur Versorgung der großen Familien. Einfache Lehmhütten sind Ihr Zuhause.Die Möglichkeit ein kleines Einkommen durch den Verkauf von Milchprodukten zu erreichen, wird durch die Einfuhr von Billigwaren aus der EU und den USA erschwert.Keines der vielen Kinder im Dorf besucht die nächstgelegene, 12km entfernte Schule. Die wenigen erwachsenen Bewohner, die eine Ausbildung bekommen haben, sind in die Städte abgewandert. Dort finden sie aber nur Gelegenheitsarbeiten. Eine Versorgung mit Strom und Telefon ist nicht vorhanden. Wasser steht in guter Qualität, in von Hand geschachteten Brunnen, für Menschen und Tiere ausreichend, zur Verfügung. Es wird von den Frauen von Hand gefördert und in Schüsseln und Eimern, auf dem Kopf zu den Häusern und Tieren transportiert. Die Region in der sich das Dorf befindet, hat sehr gute Voraussetzungen für den Ackerbau. Die Böden sind gut und der Grundwasserspiegel liegt bei ca. 5m unter der Oberfläche. Den Menschen fehlt leider das Wissen und das Material, diese, positiven Voraussetzungen zu erkennen und zu nutzen.
Zwei Mitarbeiter der Organisation ASPAIL aus Thies, ein Betriebswirt und ein Gärtner, kennen diese Situation und sind gewillt sie zu ändern. In langen Gesprächen gelingt es ihnen, eine der dort ansässigen Familien zu überzeugen, mit der Tradition zu brechen und auf einer großen Fläche Gartenbau zu betreiben.
Während unseres Aufenthaltes im März 2009 stellen uns die zwei Projektgründer ihre Arbeit und die damit verbundenen Probleme vor. Klares Ziel war es, diesem Dorf eine Zukunft zu geben. Die ersten Erträge hatten zwischenzeitlich, bei der Dorfbevölkerung bereits Vertrauen und Hoffnung aufkeimen lassen. Einige Frauen träumen bereits von einem dorfeigenen Kindergarten, der den Kindern den Zugang zur Bildung ermöglichen sollte. Das was wir im Dorf Ndoffane sahen, die Zuversicht der Menschen, die Art der Zusammenarbeit des Betriebswirts und des besonders ausgebildeten Gärtners, der nicht nur das Fachwissen, sondern auch noch die Sprachen und Sitten verschiedener Ethnien beherrscht, überzeugte uns. Nach kurzer Beratung und Abstimmung mit den Organisatoren unterstützten wir das Projekt mit den uns auf dieser Reise noch zur Verfügung stehenden Spendengeldern.
Schon bald nach unserer Rückkehr nach Deutschland erhielten wir von unseren neuen Partnern, per Email einen ersten, in deutscher Sprache verfassten Bericht zur aktuellen Situation und der Verwendung der erhaltenen Mittel. Über jede Veränderung, ob positiv oder negativ, wurden wir in der Folgezeit informiert.Nach sehr kurzer Zeit war das Projekt bereits kostendeckend. Für weitere Investitionen reichte es aber noch nicht. Wichtig war es, dass die Menschen im Dorf Ndoffane und wir hier in Deutschland, zunehmend an den Erfolg der Arbeit glaubten. Immer mehr Bewohner aus dem Dorf und aus der Nachbarschaft, nahmen das Projekt als einen Weg in die Zukunft an und wir begannen über weitere Investitionen nachzudenken.
Da die neu angelegten Felder konventionell, mit Wasserkannen und Eimern bewässert wurden, war der Wasserbedarf sehr groß, ein großer Teil des kostbaren Nasses verdunstete an der Oberfläche. Die Lösung, zur Verbesserung dieser Situation könnte eine Tröpfchenbewässerung sein. Alle notwendigen Materialien zum Bau einer solchen Anlage und die erforderlichen Fachleute zur Planung, Ausführung und Instandhaltung sind im Senegal vorhanden. Um auch die Ausbildung der Bevölkerung realisieren zu können, war es wichtig, mit einer ersten, kleinen Anlage zu beginnen. Da die meisten Dorfbewohner in Ndoffane Analphabeten sind ist eine Ausbildung völlig anders, als wir uns das vorstellen. Obwohl den Auszubildenden der Umgang mit Zahlen, Maßen, Mengen und modernen Materialien schlichtweg nicht bekannt ist, gelingt es den senegalesischen Ausbildern dennoch, das notwendige Wissen zu vermitteln.
Leider fehlten ca. 3.000,- €, um eine 0,5 ha große Fläche mit dieser Technik auszustatten. Die Eröffnung eines neuen Wasserwerkes der Stadtwerke Coesfeld schaffte die Wende. Zur Eröffnungsfeier verzichten die Stadtwerke auf Geschenke und sprachen stattdessen die Firmen bezüglich einer Spende zur Finanzierung der Tröpfchenbewässerung an. Durch diese Aktion wurden 2.200,-€ zusammengetragen, die durch die Mitarbeiter der Stadtwerke auf die benötigten 3.000,-€ aufgestockt wurden. Das ermöglichte uns, das Startsignal für den Bau der Anlage in den Senegal zu mailen. Nur kurze Zeit später erhielten wir Bilder der montierten Anlage, die zwar noch nicht komplett war, aber eine Ausbildung der Bewohner ermöglichte. Alle Berichte aus dem Dorf zeigten uns positive Veränderungen. Bei uns reifte daraufhin der Gedanke, einen weiteren wichtigen Teil der Bewässerungsanlage, eine Solarpumpe, zu realisieren. Mit unseren Partnern hofften wir zuverlässige Betreiber einer Erprobungsanlage zu haben, die Willens und in der Lage sind, diese Anlage technisch richtig zu betreiben und uns die, damit gesammelten Erfahrungen zu berichten.
Durch intensive Recherche in Deutschland und im Senegal, fanden wir einen deutschen Lieferanten der eine mit Solarstrom betriebene Pumpenanlage liefern konnte. Alle Komponenten dieser Anlage erschienen uns ideal aufeinander abgestimmt zu sein, einfach zu installieren und zu bedienen.
Bei unserem Aufenthalt im Februar/März 2010 begannen wir umgehend mit dem Aufbau der Anlage. Mit der Unterstützung der Dorfbewohner wurde zuerst ein Stativ für die Solarpaneele einbetoniert. Wenige Tage später montieren wir die komplette Anlage und nahmen sie am gleichen Tag erfolgreich in Betrieb. Von diesem Tag an arbeitet die Anlage ohne weitere Betriebskosten, sehr zuverlässig. Sie fördert für die Menschen, Tiere und die Pflanzen, Tag für Tag durchschnittlich 25.000 Liter Wasser. Da aber auch in Afrika die Sonne nur am Tag scheint, endet die Wasserförderung am Abend. Erst mit einem Wasserturm könnten die Förderung und die Nutzung des Wassers aufeinander abgestimmt werden. Auch weitere Wege zu entfernteren Familien und deren Tiere könnten überbrückt werden. Ein solcher, ca. 10.000 Liter fassender 10 Meter hoher Behälter, wird laut Angebot senegalesischer Baufirmen, zwischen 9.000 € und 10.000 € kosten.
Zur Finanzierung dieser Anlage fehlt uns aber das notwendige Geld.
Aus diesem Solarpumpen-Projekt entstand die Aktion Grünes Dorf. Unsere Partner hatten den Gedanken, die im Senegal jedem Dorf zur Verfügung stehenden 20 ha Ackerland, so zu gestalten, dass eine negative Beeinträchtigung der Erträge durch heißen Wind und starken Regen weitestgehend verhindert wird. Die Gärten und Felder grundsätzlich ökologisch zu bewirtschaften und so auf Kunstdünger und Pflanzenschutzmittel verzichten zu können.
Grünes Dorf wurde zwischenzeitlich auch von der Deutschen Botschaft im Senegal durch die Finanzierung von 3000 Baumsetzlingen (Orangen, Zitronen, Mango) unterstützt und anerkannt.
Aus dem Verlauf dieses Projektes ist aus unserer Sicht klar zu erkennen, dass die Probleme und Wünsche der Dorfbevölkerung mit sehr viel Ruhe und, mit im Land vorhandenen Spezialisten erörtert werden muss. Nur diese können nachvollziehen und vermitteln, was die Menschen in ein senegalesisches Dorf bewegt, bedrückt, und was sie wirklich zum leben benötigen.Wir müssen erfragen, zu welchen Veränderungen die Menschen bereit sind und mit welchem Einsatz können sie an die Umsetzung gehen. Welche Hoffnungen und Erwartungen entstehen und sind beide Partner in der Lage, diese zu erfüllen.
Hoffnung und Vertrauen sind ein wesentlicher Baustein der Zusammenarbeit und können leicht zerstört werden.
Dorf Ndoffane