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Wie ein Krankenhaus in Armut arbeitet

Kleiner Patient in der Pädiatrie

Dieses Mädchen hat Meningitis. Zum Glück kann ihr Vater die teure Behandlung bezahlen.

Der Senegal ist ein muslimisches Land. Nur 6 Prozent sind Christen. Von den nichtstaatlichen Krankenhäusern sind allerdings die meisten christlich - so auch St. Jean de Dieu (Johannes der Teufer) in Thiés. Der Chefarzt Dr. Juao da Veiga erzählt beim Rundgang durch das 110-Betten-Hospital von den argen Finanzproblemen. Im Senegal gibt es keine Krankenversicherung - kranke Menschen müssen ihre Behandlung selbst bezahlen. Sofort. "Bei uns versuchen wir auch möglichst viele Armen, die nicht zahlen können, zu helfen", berichtet er. Allerdings gehe das immer nur so lange, wie das Geld reicht. Und durch diese Politik der Nächstenliebe habe das Krankenhaus selbst vor kurzem knapp vor dem Aus gestanden. Um Geld zu sparen, habe man sogar den Verwaltungsdirektor entlassen - dessen Aufgabe erledigten die Ärzte nun mit.
Die Liste des Mangels im Krankenhaus ist lang. "Wir haben nur einen OP", so da Veiga. Wenn dort operiert werde und ein zweiter Notfall komme, gebe es ein Problem. Er führt die Deutschen auf die Kinderstation, wo der leitende Arzt ein wenig Deutsch spricht. Er hatte Deutsch in der Schule. Ein kleines Mädchen mit einer Meningitis wird gerade intensivmedizinisch behandelt. Ihr Vater konnte die Kosten für die teure Versorgung aufbringen. "Viele können das nicht", erklärt der Arzt.

Schnell sind helfende Hände da, als die vom Verein mitgebrachten Hilfsgüter ausgeladen werden: verschiedene in Deutschland ausrangierte, aber noch funktionstüchtige medizinische Geräte, Medikamente, Unterarm-Gehstützen, Einmalhandschuhe, OP-Tücher, Rollstühle, Arztkittel, Desinfektionsmittel - alles woran es mangelt. Die Krankenhausbelegschaft - 110 Mitarbeiter - ist dankbar für die Spenden. "Wer Freunde hat, der hat alles", freut sich Dr. da Veiga über den Besuch der Delegation des Vereins. Der stellvertretende Vorsitzende Peter Deckenbrock sagt ihn weitere Unterstützung zu: "Wir wollen die Zusammenarbeit ausbauen." Er lobte ausdrücklich die Sauberkeit im Krankenhaus. In vielen staatlichen Krankenhäusern im Senegal habe er das schon ganz anders erlebt - da sei die Identifizierung der Mitarbeiter mit der Einrichtung nicht so groß. Beeindruckt hat die Vereinsvertreter auch, das im christlichen Krankenhaus keine Unterschiede gemacht werden. Hier wird Moslems genauso geholfen wie Christen. Ein Grundsatz, den "Ein Herz für Senegal" sich auf die Fahne geschrieben hat.

Große Freude über die medizinischen Hilfsgüter aus Deutschland: Chefarzt Dr. Juao da Veiga dankt Heiner Gehring.

Quelle

Samstag, den 03. Februar 2007 | Allgemeine Zeitung (Sonderseite) | Detlef Scherle