Caritas-Chef A.Tine setzt auf Solidarität
Mit Abbé Ambrosius Tine, stellvertretender Bischof und Leiter der Caritas in Thiés, mit der der Verein "Ein Herz für Senegal" eng zusammenarbeitet, sprach unser Redaktionsmitglied Detlef Scherle über die Perspecktiven der Entwicklungshilfe im Senegal.
Für wie effektiv halten Sie die Hilfe von "Ein Herz für Senegal". Ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein oder mehr?
Ambrosius Tine: Die Hilfe kommt an. Unser Land entwickelt sich - wenn auch langsam. Aber es geht erkennnbar voran. Es ist auch gut, wenn das Bewusstsein dafür wächst, dass wir in der einen Welt leben und Solidarität Not tut.
Wo sehen Sie die größten Probleme im Senegal?
Ambrosius Tine: Wasser - Gesundheit - Schule: Das sind die drei wichtigsten Bereiche. Aber die Grundlage für alles ist die Verbesserung der Bildungschancen: Die ganz große Mehrheit der Senegalesen sind Analphabeten. 65 Prozent der Kinder können - trotz Schulpflicht - zur Zeit noch nicht zur Schule gehen, weil die meisten Eltern das Schulgeld nicht zahlen können. Und da liegt der Schlüssel für weitere Veränderungen im Land. Das ist das Herz der Entwicklung.
Wie meinen Sie das?
Ambrosius Tine: Wer einen Schulabschluss hat, hat bessere Chancen Arbeit zu finden und sich aus der Armutsspirale zu befreien.
Wie bekommen Sie mehr Kinder in die Schule?
Ambrosius Tine: Mit Unterstützung von Initiativen aus Deutschland, Frankreich, der Schweiz und Italien haben wir eine Schulpatenschaftsnetz mit aktuell 1570 Patenschaften aufgebaut.
Wie funktioniert es?
Ambrosius Tine: Die Paten in Europa zahlen 82 Euro. Weitere 20 Prozent tragen die Eltern des Kindes. Und davon kann ein Kind dann ein Jahr zur Schule gehen. Wir bezahlen damit vor allem die Lehrer und die Lehrmittel. Vom Staat bekommen wir nichts.
Können sich Paten und Patenkinder kennenlernen?
Ambrosius Tine: Ja. Erwünscht ist, dass ein regelmäßiger Briefkontakt entsteht. Die Kinder werden angehalten, dreimal im Jahr zu schreiben.
Quelle
Samstag, den 03. Februar 2007 | Allgemeine Zeitung (Sonderseite) | Detlef Scherle