Bei Durchfall droht schon der Tod

"Ein Herz für Senegal": Zwei Mitglieder hospitieren in Hospital


Kreis Coesfeld / Thiés

Ein kleiner Junge geht Sylvia Merschformann nicht aus dem Kopf. Der Neugeborene wurde mit Durchfall ins Regionalkrankenhaus von Thiés eingeliefert. "Er erbrach. Es folgte ein Atemstillstand", erinnert die Krankenschwester sich an dramatische Szenen. "Bei uns wäre er sofort mit Blaulicht auf die Intensivstation gekommen", zieht die Holtwickerin einen Vergleich. Doch im Senegal - das erfuhr die ehrenamtliche Mitarbeiterin des Vereins "Ein Herz für Senegal" bei einem zweitägigen Praktikum in dem Krankenhaus - ist das anders, "weil es einfach an vielen grundlegenden Dingen fehlt". Da könnten, wie bei dem kleinen Jungen, schon einfache Erkrankungen zum Tod führen, weil nicht schnell genug adäquat geholfen werden kann. "Und ganz viele kommen gar nicht erst ins Krankenhaus", berichtet die Medizinisch-Technische Assistentin Margot Leveling (Holtwick), die ebenfalls zwei Tage lang im Labor des Krankenhauses hospitierte. Denn es gebe keine Krankenversicherung wie bei uns. Die Behandlung müsse bar bezahlt werden - was sich die meisten gar nicht leisten können. Die jungen Frauen gehören zu einer achtköpfigen Delegation des Vereins "Ein Herz für Senegal", die vor kurzem in dem afrikanischen Land neue Hilfs-Projekte vorbereitete.


"Wir wollen genau wissen, woran es fehlt." Darum seien solche Erkundungen wichtig, erklärt Franz-Josef Leifeld (Coesfeld) Pressesprecher des Vereins. Denn es bringe nichts, zum Beispiel Geräte hinzuschicken, die gar nicht bedient werden beziehungsweise nicht vor Ort repariert werden können. Woran es mangelt - das haben Merschformann und Leveling schnell erkannt. "Wenn Blutwerte bestimmt werden sollen, müssen die Proben nach Dakar geschickt werden", erzählt Merschformann. Das dauere dann oft mehere Tage, bis das Ergebnis da ist. Deshalb werde dringend ein Flaschenphotometer benötigt. "Vielleicht gibt es ja irgendwo noch ein gebrauchtes Gerät, das ausgemustert werden soll", hat sie die Hoffnung, dass sich dafür ein Spender findet. Das gilt auch für ein Blutgasanalyse-Gerät, das im Labor des Krankenhauses ebenfalls fehlt, wie Leveling feststellte.


Beeindruckt hat die beiden Frauen, wie der Krankenhaus-Alltag im Senegal bei all den Engpässen an Personal und Material organisiert wird. Die Pflege, so Merschformann, über nähmen größtenteils die Angehörigen der Kranken selbst. Sie bringen ihnen auch das Essen, das im Innenhof des Krankenhauses von ihnen gekocht wird. Acht bis zehn Patienten teilen sich ein Krankenzimmer. "Aber am menschlichen Miteinander mangelt es nicht", stellt Leveling klar. Die Solidarität untereinander - insbesondere in den Familiensystemen - sei groß. Und auch zwischen den Religionen gebe es keine Probleme: "Die Mehrheit im Senegal ist muslimisch, das Krankenhaus christlich." Von der dort praktizierten engen Zusammenarbeit der Religionen könnten sich viele andere Länder eine Scheibe abschneiden.


Informationen gesammelt haben die beiden Frauen vor Ort auch im Hinblick auf eine Diabetes-Station, die mit Hilfe aus dem Kreis Coesfeld in dem Regionalkrankenhaus eingerichtet werden soll. "Das ist eines der nächsten Projekte", so Leifeld.


Der Verein bittet um Spenden auf sein Konto Nr. 350 40 401 bei der Sparkasse Westmünsterland (BLZ: 401 545 30). Kontakt: 02566/1369 (Heiner Gehring). www.senegal-ev.de

Quelle

Donnerstag, den 23. März 2006 | Allgemeine Zeitung (Kreis Coesfeld) | Detlef Scherle


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