Der Islam ist die in Senegal verbreiteste Religion. Im Senegal sind 76% der Bevölkerung Moslems. Wie das Christentum ist der Islam ein monotheistischer Glaube, das heißt, er beruht auf dem Glauben an einen einzigen Gott. Vermittler zwischen Gott und den Gläubigen sind die Propheten, von denen im Koran über 2400 aufgeführt sind. Mohammed (570-632) war der letzte und zugleich auch bedeutendste dieser Propheten. Während seiner Wirkungszeit wurden die Glaubensregeln, die bis dahin nur mündlich weitergegeben worden waren, aufgeschrieben und im Heiligen Buch, dem Koran, zusammengefasst. Bei seinem Tod allerdings war das Werk noch nicht vollendet. Der Koran ist die Offenbarung Allahs, an die sich jeder gläubige Moslem uneingeschränkt zu halten hat. Das Buch, dass in arabischer Sprache verfaßt ist, enthält alle wichtigen Glaubenssätze, die in 114 Kapitel, die Suren, gegliedert sind. Allerdings gibt es bei der Interpretation verschiedener Koranstellen gehörige Streitereien, woraufhin sich verschiedene Glaubensrichtungen herrausgeprägt haben.
Der Islam zählt, wie das Christentum auch, zu den erlösungsreligionen, das heißt, es existiert der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tod. Allah wird am jüngsten Tag über alle Menschen richten, und gute Moslems gehen dann in das Paradies ein, schleche Moslems kommen in die Hölle. Das Leben eines streng gläubigen Moslems wird fast gänzlich von Allah und den Glaubenssätzen und Verhaltensregeln des Islam bestimmt. Zu den fünf wichtigsten Pflichten, den sogenannten "Säulen des Islam", zählen:
Säulen des Islam
- das Bekenntnis zu Allah als dem einzigen und wahren Gott und zu Mohammed als seinem Propheten
- das tägliche Gebet, das fünfmal am Tag zu festgeschriebenen Zeiten, verbunden mitbestimmten Zeremonien, absolviert werden muss. Der Aufruf zum Gebet erfolgt durch den Muezzin vom Minarett der Moschee aus.
- das Geben von Almosen an bedürftige Menschen. Jeder Gläubige ist verpflichtet, seinem Nächsten zu helfen. Heute ist es Gesetz, dass Moslems, deren Einkommen einen bestimmten Betrag jährlich übersteigt, mindestens 2,5 % an Not leidende Gläubige abzugeben haben.
- einmal im Jahr hat ein Moslem die Pflicht, einen Monat lang jeden Tag von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zu fasten. Er darf in dieser Zeit weder essen noch trinken. Dieser Fastenmonat Ramadan richtet sich nach dem Monatskalender. Da das islamische Jahr nur aus 354 Tagen besteht, verschiebt sich der Ramadan jedes Jahr um 11 Tage.
- jeder Moslem hat die Pflicht, einmal im leben in die heiligste Stadt des Islam, nach Mekka, zu pilgern, soweit er dazu finanziell und gesundheitlich in der Lage ist.
Der Koran regelt auch das tägliche Leben. er beinhaltet Anleitngen für das Verhalten in den Verschiedensten Lebensbereichen. Dazu gehören unter anderem das Verbot von Alkohol und bestimmte Speisevorschriften. So darf beispielsweise Schweinefleisch nicht gegessen werden. Es gilt als unrein. Aber auch das Zusammenleben in der Gemeinschaft und das Verhalten den Mitmenschen gegnüber ist genau geregelt. Der Islam ist also eine Glaubenshaltung, die das gesamte Leben des Gläubigen umfasst und bestimmt. In den letzten Jahren lässt sich im Senegal ein Erstarken des Islams beobachten. Gerade hier befindet er sich in jüngster Zeit, durchsetzt mit traditionellen und animistischen Elementen, immer weiter auf dem Vormarsch. Mit ein Grund dafür ist wohl, dass das Christentum von vielen Menschen als Symbol und Instrument der ehemaligen Kolonialherren gesehen wird und deshalb auf Ablehnung stößt.
Die Gläubigen Senegals gehören im allgemeinen zu einer religiösen Bruderschaft, die von einem Marabout als geistigen Oberhaupt geführt wird. Der Islam nimmt hier einen traditionsbeeinflussten, lokalen Charakter an. Er unterscheidet sich vom ursprünglichen Islam, bei dem sich der Mensch ohne Vermittler direkt an Gott wendet. Er entspricht mehr der afrkanischen animistischen Tradition, die auf die Gruppe und nicht auf das Individum ausgerichtet ist. Diese Vermittlerrole erfüllt der Marabout, wodurch auch seine weltliche Macht begündet wird. Ein Marabout in Dakar zum Beispiel fertigt für nach Frankreich zurückreisende senegalesische Gastarbeiter sogenannte gris-gris (Amulette) für einen sicheren Flug zum Preis von über 50 Euro an, und er wird sie glänzend los. Auch gibt es Zauberer, die zum Beispiel Probleme mit der Ehefrau oder Freundin regeln, einen Rivalen krank oder die Braut verliebt machen, die "Zaubermittel" gegen Krankheiten anfertigen usw. Berühmte Maraboutnamen findet man aber auch in der senegalesischen Politik wieder.